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P&L ist kein Können: Was das Polymarket-Ranking misst

Von insiderz7 Min. Lesezeit

Flache abstrakte Illustration auf dunklem Hintergrund von zwei Ranglistenspalten mit Balken, eine nach gestapelten Münzen und eine nach Treffermarkierungen dimensioniert, unterschiedlich sortiert

Das Leaderboard von Polymarket listet ausschließlich realisierten Gewinn und Handelsvolumen auf. Die öffentliche Schnittstelle akzeptiert exakt zwei Sortierkriterien: PNL und VOL. Die API liefert weder eine Trefferquote noch die Anzahl aufgelöster Märkte. Damit liefert die Rangliste zwar eine präzise Antwort auf die Frage, wer auf der Plattform das meiste Geld verdient hat, aber eine unbrauchbare Antwort darauf, wer künftige Ereignisse tatsächlich treffsicher vorhersagt.

Was misst das Polymarket-Leaderboard wirklich?

Die offizielle Dokumentation schafft Klarheit. Der öffentliche Endpunkt lautet GET https://data-api.polymarket.com/v1/leaderboard. Stand September 2026 umfasst das Schema der Schnittstelle folgende Parameter: category über elf Marktkategorien, timePeriod (DAY, WEEK, MONTH, ALL) und orderBy mit den beiden Werten PNL und VOL. Jeder Eintrag liefert rank, proxyWallet, userName, vol, pnl, profileImage, xUsername und verifiedBadge.

In diesen Rückgabewerten fehlen entscheidende Angaben: Es gibt kein Feld für die Anzahl der aufgelösten Märkte eines Händlers, keines für seine Trefferquote und keines für den Vergleich zwischen Einstiegspreis und Endergebnis. Diese Kennzahlen sind nicht etwa hinter einer Bezahlschranke verborgen. Sie existieren im Ranking schlicht nicht, weil die Rangliste nicht auf Treffsicherheit ausgelegt ist.

Dies ist kein Vorwurf an Polymarket. Für einen Handelsplatz ist es völlig legitim, Händler nach realisiertem Profit zu ordnen. Der Denkfehler entsteht auf Seiten der Beobachter, wenn eine Gewinnrangliste fälschlicherweise als Rangliste analytischer Kompetenz interpretiert wird.

Was sagt eine Gewinn-Rangliste aus?

Finanzieller Gewinn ist das Produkt aus drei Faktoren: Wie richtig die Einschätzung war, wie viel Geld eingesetzt wurde und wie attraktiv die Quote beim Einstieg war. Nur der erste Faktor spiegelt analytisches Können wider. Die beiden anderen Faktoren hängen vom Kapital und vom Timing ab und dominieren das Gesamtergebnis.

Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht das Problem. Betrachten wir zwei Händler auf demselben Markt: Der erste liegt bei 30 von 40 Positionen richtig, setzt jeweils 50 US-Dollar ein und beendet die Serie mit einigen Hundert Dollar Gewinn. Der zweite liegt nur bei 3 von 10 Positionen richtig, platziert jedoch bei einer dieser drei Positionen 2 Millionen US-Dollar zu einem Preis von 20 Cent. Er erzielt einen Millionengewinn. Das Leaderboard kürt den zweiten Händler zum klaren Sieger. Jede zusätzliche Null beim Einsatz katapultiert einen Teilnehmer nach oben, ohne dass sich die Qualität seiner Vorhersagen verändert hat.

In der wissenschaftlichen Prognoseforschung wurde dieses Problem bereits vor Jahrzehnten gelöst, indem Wahrscheinlichkeiten statt Gewinnauszahlungen bewertet werden. Bei den IARPA-Turnieren von 2011 bis 2014 wurden alle Teilnehmer anhand des Brier-Scores bewertet, der quadratischen Abweichung zwischen genannter Wahrscheinlichkeit und realem Ausgang. Eine überheblich falsche Prognose wird dabei stark abgestraft, während die Positionsgröße keine Rolle spielt. Über diese Metrik identifizierte das Forschungsteam 60 Superforecaster rein anhand ihrer Treffsicherheit, die ihren Vorsprung über zwei weitere Jahre stabil hielten. Eine Gewinnspalte liefert solche Erkenntnisse nicht.

Vier Wege an die Spitze ohne treffsichere Analyse

Mehr Kapital einsetzen. Zwei Akteure mit identischen Einschätzungen, von denen einer das zehnfache Kapital einsetzt, erzielen einen zehnfachen Gewinnunterschied. Das Leaderboard bildet nur das Kapital ab.

Eine einzige große Wette gewinnen. Ein einzelner massiver Treffer überstrahlt eine ganze Saison solider, kleinerer Treffer. Die US-Präsidentschaftswahl 2024 demonstrierte dies eindrücklich: The Block berichtete am 7. November 2024, dass ein einzelner französischer Händler über 45 Millionen US-Dollar auf einen Sieg von Donald Trump gesetzt und einen Nettogewinn von geschätzt 78,7 Millionen US-Dollar erzielt hatte. Unabhängig von der Qualität seiner Recherchen sähe die Platzierung auf dem Leaderboard identisch aus, wenn der Einsatz auf reinem Bauchgefühl beruht hätte.

Favoriten abgrasen. Wer fortlaufend Positionen zu Kursen von 95 Cent kauft, erzielt lange Gewinnserien und eine stetig steigende Gewinnlinie. Das Risiko ist minimal, der Informationswert jedoch null, da das Zustimmen zu einer 95-Prozent-Wahrscheinlichkeit keinen neuen Erkenntnisgewinn liefert.

Mehrere Wallets nutzen. Ranglisten werden pro Wallet geführt, nicht pro Person. Das Analyseunternehmen Chainalysis ordnete dem erwähnten französischen Großanleger neun verschiedene Polymarket-Konten zu, identifiziert anhand von Transaktionsmustern und gemeinsamen Einzahlungsadressen. Eine Person belegte neun Zeilen.

Warum ist Handelsvolumen ein noch schwächeres Signal?

Das Volumen summiert jeden umgesetzten Dollar, unabhängig von Gewinn oder Verlust. Ein Händler, der fortlaufend Verluste anhäuft, aber ununterbrochen handelt, klettert im Volumen-Ranking nach oben. Das allein entwertet das Volumen als Qualitätsmaßstab. Hinzu kommt ein strukturelles Problem.

Im Oktober 2024 untersuchten zwei Blockchain-Analysehäuser die Wahlmärkte auf Polymarket für eine Recherche des Magazins Fortune. Chaos Labs kam zu dem Schluss, dass rund ein Drittel des Handelsvolumens beim Präsidentschaftsmarkt Anzeichen von Wash Trading aufwies, also künstlich erzeugtem Handel mit sich selbst. Inca Digital ermittelte separat, dass das tatsächliche On-Chain-Volumen bei rund 1,75 Milliarden US-Dollar lag, verglichen mit den ausgewiesenen 2,7 Milliarden US-Dollar. Eine Kennzahl, die sich durch Eigenhandel aufblähen lässt, taugt nicht als Indikator für Fachwissen.

Warum orientieren sich viele dennoch an diesen Ranglisten?

Weil eine Rangliste wie ein objektives Urteil wirkt und Plattformen für Copy-Trading oder Whale-Alerts ein Interesse daran haben, die Ranglistenspitze als wertvolles Signal zu vermarkten.

Die deutsche BaFin weist beim Social Trading darauf hin, dass dort vor allem hochspekulative Produkte wie CFDs oder Hebelprodukte kopiert werden und dass man mit der Delegation der Anlageentscheidung die Kontrolle über das eigene Vermögen abgibt. Ein Profit-Ranking ohne Nenner entspricht einer Erfolgsbilanz, aus der alle Verluste gelöscht wurden. Die CXO Advisory Group untersuchte 6.582 öffentliche US-Börsenprognosen von 68 Experten zwischen 2005 und 2012 und stellte eine Trefferquote von 46,9 % fest, wenn ausnahmslos alle Vorhersagen gewertet werden. Eine reine Dollar-Rangliste unterzieht niemanden diesem Test.

Zudem existiert ein Timing-Problem: Sobald eine große Position auf der Blockchain sichtbar wird, hat der Marktpreis bereits reagiert. Wer Trades kopiert, kauft zu schlechteren Kursen, ohne die genauen Ausstiegspläne des Initiators zu kennen.

Wie sieht eine Rangliste nach Treffsicherheit aus?

Ein aussagekräftiges Ranking misst dieselben drei Kriterien wie ein Prognoseturnier, übertragen auf einen liquiden Markt: Wie oft wird der Preis geschlagen, mit welchem Vorsprung und wie frühzeitig.

Schlägt den Markt. Der Anteil der aufgelösten Calls, die besser abschnitten als der damalige Marktpreis. Ein Treffer bei einem 92-Prozent-Favoriten verändert den Wert kaum, ein Treffer bei einer 30-Prozent-Quote deutlich. Ein Call ist dabei eine verbindliche Prognose mit Name und Zeitstempel.

Edge. Der durchschnittliche Informationsvorsprung gegenüber dem Marktpreis über alle abgegebenen Calls hinweg. Als Gesamtdurchschnitt lässt sich dieser Wert nicht durch einen einzelnen Glückstreffer verzerren.

Früh. Zeigt an, ob sich der Marktpreis nach Abgabe des Calls und vor dessen Veröffentlichung in Richtung der Vorhersage bewegt hat. Diese Kennzahl lässt sich kaum manipulieren, da sie eine spätere Marktreaktion voraussetzt.

Ereignisse. Der Nenner. Die Anzahl der aufgelösten Ereignisse. Ohne diesen Wert sind die anderen Spalten statistisch nicht interpretierbar. Auf insiderz werden Profile mit weniger als 30 aufgelösten Ereignissen nicht im Ranking geführt.

Spalte oder Datenfeld Öffentlich in der API Ändert sich bei 10-fachem Geldeinsatz Ändert sich bei höherer Treffsicherheit Mindestanzahl aufgelöster Ereignisse
Polymarket pnl Ja Ja Ja Keine
Polymarket vol Ja Ja Nein Keine
Polymarket verifiedBadge Ja Nein Nein Keine
insiderz Schlägt den Markt Ja Nein Ja 30
insiderz Edge Ja Nein Ja 30
insiderz Früh Ja Nein Ja 30

Stand der Gegenüberstellung: 4. September 2026.

Wie liest man die Spalten auf insiderz?

Der erste Blick gilt den Ereignissen. Liegt die Zahl unter 30, handelt es sich um statistisches Rauschen. Danach liest man Schlägt den Markt als bereinigte Trefferquote, Edge als Ausmaß des Vorteils und Früh als Nachweis des Timings. Ein Profil mit hoher Trefferquote, aber geringem Edge trifft verlässliche Vorhersagen bei einfachen Marktlagen. Ein Profil mit moderater Trefferquote, aber hohem Edge erkennt unterbewertete Außenseiter.

Hier sind die aktuellen Top-Insider:

Zwei Einschränkungen gehören zur Transparenz: insiderz startete im September 2026. Niemand verfügt über jahrelange Plattformhistorien. Zudem garantiert kein Ranking künftige Treffer. Was ein benchmarkbasiertes Register jedoch leistet, ist der Ausschluss von Verzerrungen durch Kapitalmacht, Einzelwetten und gelöschte Fehlprognosen.

Auf insiderz wird kein Geld gesetzt. Man kann die Bilanzen anderer Nutzer studieren, ihnen folgen und einen Live-Zugang anfragen, um neue Calls ohne zeitliche Verzögerung zu sehen. Wie man echte Spitzen-Prognostiker identifiziert, zeigt der Beitrag Prognostiker finden, die den Markt schlagen. Wie eine manipulationssichere Bilanz aufgebaut sein muss, erklärt der Leitfaden Verifizierbare Prognose-Bilanz aufbauen. Die Liste der Ereignisse zeigt dieselben Märkte wie Polymarket mit identischen Kursen, völlig ohne finanziellen Einsatz.

Häufige Fragen

Ist das Polymarket-Leaderboard ein guter Maßstab für Treffsicherheit?
Nein. Die öffentliche Leaderboard-Schnittstelle von Polymarket sortiert nur nach Gewinn oder Volumen und enthält kein Feld für Trefferquoten. Sie misst primär eingesetztes Kapital und Risikobereitschaft. Ein einzelner hoher Gewinn übertrumpft viele präzise Prognosen.
Wie sollten Prognostiker stattdessen bewertet werden?
Entscheidend ist, wie oft sie den Marktpreis zum Zeitpunkt der Prognoseabgabe geschlagen haben, mit welchem Vorsprung (Edge) und wie frühzeitig (Früh), gemessen über eine ausreichende Anzahl aufgelöster Ereignisse.
Sollte man die Trades der Top-Trader auf Polymarket kopieren?
Das Kopieren einer Profit-Rangliste kopiert Positionsgrößen und Risikobereitschaft, keinen Informationsvorsprung. Der Marktpreis hat sich meist schon bewegt, bevor ein Trade sichtbar wird, und Monatsrankings werden von wenigen Großwetten dominiert.
Kann eine Person mehrere Plätze auf dem Leaderboard belegen?
Ja. Die Rangliste wird pro Wallet geführt, nicht pro Person. Blockchain-Analysen verknüpften beispielsweise neun getrennte Konten mit einem einzigen französischen Trader bei der US-Präsidentschaftswahl 2024.
Zeigt ein hohes Handelsvolumen analytisches Können?
Nein. Das Volumen summiert gehandelte Dollarbeträge unabhängig vom Ergebnis. Im Oktober 2024 stellten Analysefirmen fest, dass ein erheblicher Teil des Polymarket-Wahlvolumens Merkmale von Wash Trading aufwies.

Quellen

  1. Get trader leaderboard rankings, Polymarket Documentation, accessed 4 September 2026
  2. French Polymarket whale estimated to make $79 million on US election bets, The Block, 7 November 2024
  3. Election betting site Polymarket is rife with fake wash trading, researchers say, Inca Digital on the Fortune investigation, 30 October 2024
  4. Identifying and Cultivating Superforecasters as a Method of Improving Probabilistic Predictions, Mellers et al., Perspectives on Psychological Science, 2015
  5. Guru Grades, CXO Advisory Group, forecasts collected 2005 to 2012
  6. Social Trading, Verbraucherinformation der BaFin, Bonn und Frankfurt am Main

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Kalshi ist eine US-regulierte Börse für Ereigniskontrakte mit Dollar-Abrechnung. Polymarket ist eine Krypto-Wettbörse mit Offshore-Fokus, die in immer mehr Ländern gesperrt wird. Metaculus ist eine geldfreie Plattform für wissenschaftliche Prognosen. insiderz verzichtet vollständig auf Geld und bewertet Ihre Vorhersage direkt gegen den aktuellen Polymarket-Marktpreis. Finanzieller Einsatz, Regulierung und der Bewertungsmaßstab bilden die drei Hauptunterschiede.

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