Prognostiker finden, die den Markt schlagen: Leitfaden
Von insiderz6 Min. Lesezeit

Bewerten Sie Prognostiker anhand von vier Kennzahlen und ignorieren Sie alles andere: Wie oft sie den Marktpreis im Moment ihrer Aussage geschlagen haben. Mit welchem Vorsprung (Edge). Wie frühzeitig (Früh), also ob sich der Preis danach in ihre Richtung bewegte. Und über wie viele aufgelöste Ereignisse hinweg. Erst die vierte Zahl entscheidet über die Aussagekraft der ersten drei, und fast jede öffentliche Rangliste unterschlägt sie.
Welche vier Kennzahlen sind entscheidend?
Ein Prognostiker lässt sich nur an einer Referenzgröße messen. Bei realen Geschehnissen ist der aktuelle Marktpreis auf einem Prognosemarkt die beste Benchmark, da er die aggregierte Erwartung aller Marktteilnehmer abbildet. Daraus leiten sich vier zentrale Metriken ab:
Schlägt den Markt beziffert den Anteil der aufgelösten Calls einer Person, die besser abschnitten als der im Moment der Abgabe fixierte Marktpreis. Ein Call ist dabei eine verbindliche Prognose mit Name und Zeitstempel. Edge misst das durchschnittliche Ausmaß dieses Vorsprungs über alle aufgelösten Vorhersagen. Früh gibt an, ob sich der Marktpreis nach Abgabe der Prognose in die vorhergesagte Richtung bewegt hat. Ereignisse ist der Nenner: die Gesamtzahl aller aufgelösten Vorhersagen.
Die ersten drei Kennzahlen beschreiben die Qualität. Die vierte Kennzahl liefert den statistischen Beweis. Eine Trefferquote von 90 % bei 6 Ereignissen besitzt keinerlei Aussagekraft. Ein Wert von 62 % über 40 Ereignisse hinweg liefert hingegen ein klares Signal.
Warum misst man am Preis statt an Richtig oder Falsch?
Eine isolierte Trefferquote belohnt triviale Vorhersagen. Wer stets auf den haushohen Favoriten setzt, liegt meistens richtig, liefert aber keinen Mehrwert, da der Marktpreis diese Wahrscheinlichkeit bereits eingepreist hatte. Der Abgleich mit dem Marktpreis filtert diesen Gratis-Vorschuss heraus: Der Call wird exakt mit der damaligen Markteinschätzung verglichen. Wer gegen den Marktkonsens richtigliegt, wird belohnt. Wer grundlos abweicht, fällt zurück.
Dieses Prinzip nutzt auch die akademische Forschung. Die renommierten IARPA-Turniere (2011 bis 2014) bewerteten Teilnehmer mit dem Brier-Score, der quadratischen Differenz zwischen geschätzter Wahrscheinlichkeit und realem Ausgang. Die besten Teilnehmer wurden als Superforecaster eingestuft. Sie behielten ihren statistischen Vorsprung gegenüber Kontrollgruppen über zwei Folgejahre bei, anstatt zum Mittelwert zurückzufallen. Prognosekompetenz existiert und ist messbar, aber nur im Vergleich zu einer Benchmark und über eine ausreichend große Stichprobe.
Ohne Benchmark verzerren Bilanzen massiv. Die CXO Advisory Group sammelte und prüfte 6.582 US-Börsenprognosen von 68 bekannten Experten zwischen 2005 und 2012 und stellte eine Treffsicherheit von lediglich 46,9 % fest. Diese Experten waren nicht inkompetent, sondern wurden schlicht an ausnahmslos jeder getätigten Aussage gemessen. Der ZEW-Finanzmarkttest in Mannheim befragt seit Dezember 1991 monatlich rund 350 Analystinnen und Analysten aus Banken, Versicherungen und Industrie nach ihren Erwartungen für die nächsten sechs Monate. Erst so eine feste Kadenz macht Prognosen überhaupt vergleichbar.
Was bedeutet Schlägt den Markt?
Schlägt den Markt ist die bereinigte Trefferquote. Sie beantwortet die Frage: Bei wie vielen der bisher aufgelösten Calls lag die eigene Einschätzung näher am tatsächlichen Ausgang als der damalige Marktpreis?
Zwei Ausprägungen sind dabei aufschlussreich: Eine sehr hohe Quote bei geringem Edge deutet auf eine Person hin, die vor allem bei ohnehin fast sicheren Ereignissen knapp richtigliegt. Das belegt Vorsicht, nicht zwingend besonderen Informationsvorsprung. Eine moderate Quote bei hohem Edge kennzeichnet Personen, die zwar öfter danebenliegen, aber bei gravierenden Fehlbewertungen des Marktes treffsicher zugreifen. Dieses Profil liefert bei komplexen Marktlagen den größten Erkenntnisgewinn.
Diese Quote lässt sich nicht mit Geld beeinflussen. Auf insiderz ist ein Call eine inhaltliche Positionierung, kein monetärer Einsatz.
Was bedeutet Edge?
Edge beziffert den durchschnittlichen rechnerischen Vorsprung gegenüber dem Marktpreis über alle aufgelösten Ereignisse. Da es sich um den Durchschnitt der gesamten Bilanz handelt, kann ein einzelner Glückstreffer den Wert nicht dauerhaft nach oben treiben.
Das ist der entscheidende Unterschied zu geldbezogenen Ranglisten. Die öffentliche Schnittstelle von Polymarket akzeptiert im September 2026 ausschließlich PNL und VOL als Sortierkriterien und liefert kein Genauigkeitsfeld. Ein einzelner Treffer mit Millioneneinsatz kann einen Händler dauerhaft an die Spitze setzen. Ein Mittelwert über Dutzende aufgelöster Ereignisse lässt sich so nicht manipulieren. Warum Kapitalstärke kein Können belegt, vertieft der Artikel P&L ist kein Maß für Können.
Was bedeutet Früh?
Die Kennzahl Früh dokumentiert, ob sich der Marktpreis nach dem Fixieren des Calls und vor dessen Veröffentlichung in Richtung der Prognose verschoben hat. Es ist ein Nachweis zeitlicher Priorität: Man hat die Marktbewegung antizipiert, bevor der Markt nachzog.
Dies ist der am schwersten zu simulierende Wert, da er voraussetzt, dass andere Marktteilnehmer ihre Einschätzungen später aus eigenem Antrieb anpassen. Ein einzelner Treffer kann Zufall sein. Wiederholte zeitliche Vorsprünge belegen, dass Informationen verarbeitet wurden, bevor sie im Kurs reflektiert waren.
Früh existiert, weil Calls standardmäßig mit einer zeitlichen Verzögerung öffentlich werden. In diesem Zeitfenster ist der Call fixiert und unveränderlich, aber für den Markt noch unsichtbar. Eine Kursbewegung in dieser Phase kann daher nicht durch den Call selbst ausgelöst worden sein. Nutzer mit Live-Zugang sehen den Call sofort, alle anderen nach Ablauf der Verzögerung.
Wie viele aufgelöste Ereignisse sind notwendig?
Ab etwa einem Dutzend aufgelöster Ereignisse lässt sich reiner Zufall statistisch eingrenzen. Ab dreißig Ereignissen wird ein echter statistischer Vorteil (Edge) sichtbar. Aus diesem Grund werden Profile mit weniger als 30 aufgelösten Ereignissen auf dem Leaderboard nicht aufgeführt.
Nimmt man einen fair gepreisten Markt als 50:50-Chance an, schlägt ein Ahnungsloser den Markt in etwa der Hälfte der Fälle. Die folgende Tabelle zeigt auf Basis der Binomialverteilung (berechnet am 4. September 2026), mit welcher Wahrscheinlichkeit ein reiner Zufalls-Rater bestimmte Ergebnisse erzielt.
| Aufgelöste Calls | Calls, die den Markt schlugen | Wahrscheinlichkeit für reinen Zufallstreffer | Im Ranking auf insiderz |
|---|---|---|---|
| 5 | 5 | 1 zu 32 | Nein |
| 10 | 10 | 1 zu 1.024 | Nein |
| 12 | 9 | 1 zu 14 | Nein |
| 12 | 10 | 1 zu 52 | Nein |
| 12 | 12 | 1 zu 4.096 | Nein |
| 30 | 18 | 1 zu 6 | Ja |
| 30 | 20 | 1 zu 20 | Ja |
Betrachtet man 10.000 aktive Teilnehmer, werden rund 300 von ihnen rein zufällig 5 von 5 Treffern erzielen. Jeder dieser Fälle wirkt isoliert wie eine Sensation. Erst bei 30 aufgelösten Ereignissen trennt sich dauerhaftes Geschick von statistischer Streuung. Eine Trefferquote von 60 % über 50 Ereignisse ist ungleich wertvoller als 80 % über 10 Ereignisse.
Wie liest man ein Profil richtig?
Prüfen Sie ein Profil stets in dieser Reihenfolge:
- Ereignisse prüfen. Ist die Zahl zu klein, erübrigt sich die weitere Analyse.
- Schlägt den Markt betrachten. Die Trefferquote liefert den ersten Anhaltspunkt, muss aber im Kontext der Stichprobengröße gesehen werden.
- Edge analysieren. Zeigt, ob Gewinne bei offensichtlichen oder bei fehlbewerteten Kursen erzielt wurden.
- Früh bewerten. Ein beständig hoher Früh-Wert ist der stärkste und seltenste Qualitätsindikator.
- Calls im Detail ansehen. Prüfen Sie den damaligen Marktpreis. Viele Calls bei 90 % Marktwahrscheinlichkeit bedeuten lediglich schnelles Zustimmen zum Konsens.
- Fehlprognosen prüfen. Da kein Call gelöscht werden kann, sind Fehlgriffe vollständig sichtbar. Fehlen Verluste bei vermeintlich vielen Vorhersagen, ist die Datenbasis unvollständig.
Hier sind die aktuellen Top-Insider auf dem Leaderboard:
Was tun, wenn man einen guten Prognostiker gefunden hat?
Folgen Sie dem Profil und beantragen Sie Live-Zugang. Standardmäßig werden Calls erst nach einer Verzögerung öffentlich. Mit Live-Zugang sehen Sie die Calls eines Insiders unmittelbar nach deren Fixierung.
Es gibt dabei keine Trades zu kopieren, da auf insiderz kein Geld gesetzt wird. Sie erhalten die fundierte Aussage, den exakten Zeitstempel und den damaligen Marktpreis. Wie Sie diese Erkenntnisse nutzen, liegt in Ihrer Hand.
insiderz startete im September 2026. Jedes Profil auf der Plattform ist jung. Der methodische Aufbau stellt jedoch sicher, dass die Datenbasis mit jedem aufgelösten Ereignis an Aussagekraft gewinnt. Vollständige, öffentlich ausgewertete Bilanzen ermöglichen auch unabhängige Studien, wie jene aus dem Jahr 2025, die KI-Modelle anhand von 464 aufgelösten Fragen mit menschlichen Spitzen-Prognostikern verglich. Wie eine fehlerfreie Selbsteinschätzung funktioniert, erklärt der Beitrag Kalibrierung verständlich erklärt. Die Kriterien für eine fälschungssichere Bilanz finden Sie unter Verifizierbare Prognose-Bilanz aufbauen.
Häufige Fragen
- Woran erkennt man einen treffsicheren Prognostiker?
- Ausschlaggebend ist, wie oft jemand den Marktpreis zum Zeitpunkt der Prognoseabgabe geschlagen hat, mit welchem Vorsprung und über wie viele aufgelöste Ereignisse. Weniger als ein Dutzend aufgelöster Calls liefert statistisch keine verlässliche Aussage.
- Was bedeutet die Spalte Schlägt den Markt?
- Der prozentuale Anteil der aufgelösten Calls einer Person, die besser abschnitten als der damalige Marktpreis. Es handelt sich um eine Trefferquote gemessen an einer dynamischen Benchmark statt an banal aufgelösten Favoritentipps.
- Was bedeutet die Kennzahl Früh?
- Sie erfasst, ob sich der Marktpreis nach Abgabe eines Calls und vor dessen Veröffentlichung in Richtung der Prognose bewegt hat. Diese Zahl lässt sich nicht erzeugen, ohne dass der Markt zeitversetzt auf dieselben Informationen reagiert.
- Warum werden Profile mit unter 30 Ereignissen nicht gerankt?
- Weil kurze Erfolgsserien bei einer großen Zahl an Teilnehmern rein zufällig entstehen. Fünf richtige Treffer in Folge treten bei Zufallsauswahl etwa einmal in 32 Versuchen auf. Ohne Mindeststichprobe bewertet eine Rangliste nur Glück.
- Bedeutet hoher Gewinn auf einem Prognosemarkt echtes Können?
- Nein. Finanzieller Gewinn hängt von Positionsgröße und Risikobereitschaft ab. Das öffentliche Leaderboard von Polymarket sortiert nur nach Gewinn oder Volumen und enthält keinerlei Genauigkeitsmetrik.
Quellen
- Get trader leaderboard rankings, Polymarket Documentation, accessed 4 September 2026
- Identifying and Cultivating Superforecasters as a Method of Improving Probabilistic Predictions, Mellers et al., Perspectives on Psychological Science, 2015
- Evaluating LLMs on Real-World Forecasting Against Expert Forecasters, Janna Lu, arXiv, July 2025
- Guru Grades, CXO Advisory Group, forecasts collected 2005 to 2012
- ZEW-Finanzmarkttest, ZEW Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim


